Glossar
Begriffe aus der Krisenkommunikation, klar erklärt
Definitionen von Kernbegriffen aus der niederländischen Krisenkommunikation und der CrisisRadar-Plattform: CRASSU-Methodik, Betroffenenkreis-Analyse, GRIP-Stufen, Zoneneinteilung und mehr.
Methoden
- CRASSU-Methodik
- Ein strukturierter Ansatz für die Krisenkommunikation innerhalb der „CrisisRadar“-Plattform. CRASSU ist ein Akronym für sechs aufeinanderfolgende Denkschritte, die zusammen eine Krisenmeldung bilden: Kontext (die tatsächliche Situation – was, wo, wann, wie schwerwiegend), Rolle (aus welcher Position wird kommuniziert – Gemeinde, Sicherheitsregion, Gesundheitseinrichtung, Unternehmen), Maßnahme (die Handlungsempfehlung für den Empfänger – was soll er oder sie JETZT tun oder vermeiden), Schritte (die Phasen und Reihenfolge – Erstmeldung, Folge-Update, Abschluss), Stil (der auf die Zielgruppe und den Zeitpunkt abgestimmte Ton – sachlich und prägnant in der akuten Phase, einfühlsam in der Nachphase) und Umsetzung (der letztendliche Kanal und das Format – NL-Alert, soziale Medien, Pressemitteilung, Website-Banner). Die Methodik schreibt vor, dass bei jeder Mitteilung zunächst die Fakten und der Sprecher festgelegt werden, bevor Tonfall und Kanal ausgewählt werden, wodurch Krisenkommunikation konsistent und zielgruppengerecht bleibt.
- Betroffenenkreis-Analyse
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Ein Ansatz, bei dem Zielgruppen während einer Krise in konzentrischen Kreisen um das Ereignis herum gruppiert werden, von den direkt Betroffenen bis hin zur breiteren Öffentlichkeit. Jeder Kreis erhält eine eigene Botschaft, einen eigenen Kanal und eine eigene Frequenz. Im niederländischen Kontext auch bekannt als „Betroffenenkreis“ oder „Zwiebel der Betroffenheit“; international als „Affected Circles“ bezeichnet. Die Methode hat niederländische wissenschaftliche Wurzeln und wird von CrisisRadar auf der Plattform unterstützt, um Zielgruppen im Zusammenhang mit einem Vorfall schneller zu erkennen.
Wissenschaftlicher Hintergrund: Jong, Van Assouw, Strating & Dückers (2026) — Journal of Crisis & Risk Communication
- Stakeholder-Mapping
- Identifizierung und Kategorisierung aller Beteiligten einer Krise (interne Mitarbeiter, Führungskräfte, Presse, Anwohner, Partner in der Lieferkette, Aufsichtsbehörden) einschließlich ihres Informationsbedarfs, ihres bevorzugten Kommunikationskanals und ihrer Reaktionsgeschwindigkeit.
Niederländische Koordination
- GRIP 1
- Koordiniertes regionales Einsatzverfahren der Stufe 1: Bekämpfung an der Quelle und Erstversorgung. Der Einsatzleiter leitet die Maßnahmen, ausschließlich im Quellgebiet. Die Kommunikation erfolgt weiterhin lokal/operativ.
- GRIP 2
- GRIP-Stufe 2: Es gibt auch einen Wirkungsbereich außerhalb der unmittelbaren Quelle, mit mehreren Rettungsdiensten, koordiniert durch ein Einsatzleitkommando vor Ort (CoPI ) und ein regionales Einsatzteam (ROT ). Verwaltungsabstimmung auf kommunaler Ebene.
- GRIP 3
- GRIP-Stufe 3: Gefährdung des Wohlergehens von (großen Gruppen) Bürgern in einer Gemeinde. Der Bürgermeister ist Oberbefehlshaber, das kommunale Krisenstab trifft sich. Die Kommunikation mit der Öffentlichkeit erfolgt systematisch.
- GRIP 4
- GRIP-Stufe 4: Gemeindegrenzenüberschreitender Vorfall innerhalb einer Sicherheitsregion. Der Vorsitzende der Sicherheitsregion koordiniert, das regionale Politikteam (RBT ) ist im Einsatz. Krisenkommunikation gleichzeitig an mehrere Gemeinden.
- GRIP 5
- GRIP-Stufe 5: Der Vorfall überschreitet die Grenzen der Sicherheitsregionen, eine überregionale Koordination ist erforderlich. Dies erfordert eine optimierte interregionale Kommunikation und eine einheitliche Botschaft an die Öffentlichkeit.
- Sicherheitsregion
- Erweiterter lokaler Verwaltungsverbund zwischen niederländischen Gemeinden in den Bereichen Feuerwehr, medizinische Versorgung, Katastrophenschutz und Krisenmanagement. In den Niederlanden gibt es 25 Sicherheitsregionen.
- Krisenkommunikationsteam (CCT)
- Multidisziplinäres Team, das für die Kommunikation mit der Öffentlichkeit während einer Krise verantwortlich ist. Besteht in der Regel aus einem Sprecher, einem Kommunikationsberater, einem Umfeldanalysten, einem Content-Ersteller und einer Schnittstelle zur operativen Leitung. Arbeitet unter der Leitung des Politikteams.
Zoneneinteilung & Gebiet
- Ereignisgebiet
- Das geografische Gebiet unmittelbar um den Ursprung des Vorfalls, in dem die Ursache der Gefahr liegt (z. B. brennendes Gebäude, undichte Leitung). Hier wird unmittelbar von Feuerwehr/Polizei eingegriffen.
- Auswirkungsgebiet
- Das Gebiet außerhalb des Ursprungsbereichs, in dem die Folgen des Vorfalls spürbar sind (Rauchwolke, Druckwelle, Evakuierung, Beeinträchtigungen). Die Kommunikation mit der Öffentlichkeit konzentriert sich hier in erster Linie auf Handlungsempfehlungen.
- Hot Zone
- Bei Vorfällen mit Gefahrstoffen: Bereich mit direkter Exposition, der nur für speziell ausgerüstete Einsatzkräfte zugänglich ist. Kommunikation: streng operativ.
- Warmzone
- Bei Vorfällen mit Gefahrstoffen: Übergangszone zwischen „Hot Zone“ und „Cold Zone“, Ort für Dekontamination und Triage. Hier beginnt der Bereich, der für die Öffentlichkeit zugänglich ist.
- Cold Zone
- Bei Unfällen mit Gefahrstoffen: Sicherheitszone für die Einsatzleitung, die Aufnahme von Verletzten, den Medienbereich und die Information der Öffentlichkeit.
Kommunikationsstrategie
- Zielgruppenspezifische Berichterstattung
- Differenzierung der Botschaften, bei der dieselbe Sachlage je nach Empfänger unterschiedlich formuliert wird. Beispiel: Direkt Betroffene erhalten Handlungsempfehlungen, die Presse erhält Hintergrundinformationen und Quellenangaben, Anwohner erhalten Beruhigung und Hinweise auf Hilfsangebote.
- Multiplattform-Veröffentlichung
- Gleichzeitige Verbreitung einer Krisenmeldung über mehrere Kanäle (NL-Alert , Website der Gemeinde, X/Twitter, Facebook, Pressemitteilung, SMS, E-Mail) mit plattformspezifischer Anpassung von Tonfall, Länge und Format. Verringert Informationslücken und Spekulationen.
- Echtzeit-Überwachung
- Kontinuierliche Überwachung von Nachrichtenquellen, sozialen Medien und RSS-Feeds während einer Krise, um Stimmungen, Gerüchte und tatsächliche Entwicklungen sofort zu erkennen. Grundlage für den nächsten Kommunikationszyklus.
- Handlungsperspektive
- Konkrete Anweisungen, was der Empfänger JETZT tun muss oder kann: Im Haus bleiben, Fenster schließen, das Gebiet meiden, die 112 nur im Notfall anrufen. Das Herzstück einer effektiven Krisenkommunikation mit der Öffentlichkeit.
Compliance & Datenschutz
- AVG /DSGVO-Konformität in Krisenzeiten
- Verpflichtung, personenbezogene Daten auch während einer Krisensituation verhältnismäßig und zweckgebunden zu verarbeiten (Datenschutz-Grundverordnung / General Data Protection Regulation). Krisenkommunikation darf identifizierende Informationen von Opfern nur unter strengen Auflagen weitergeben.
- Datenschutzorientierte KI-Verarbeitung
- KI-Modelle laufen lokal in niederländischen Rechenzentren, kein Export von Eingabe- und Ausgabedaten in Drittländer. Eingaben aus Krisenmeldungen werden nicht für Trainingszwecke des Modells verwendet.
Fehlt Ihnen ein Begriff?
Gerne ergänzen wir das Glossar auf Grundlage von Fragen aus der Praxis.